Grundsätzliches über die Berufsbilder rund um Sättel

Im Berufsbild eines Sattelverkäufers und Sattelanpassers gibt es 2 grundverschiedene Ansätze der Ausbildung: Der Reitsportsattler und der Saddle-Fitter (Sattelanpasser)

 

Der Sattler

 

Um Sattler zu werden, wird eine 2-stufige Ausbildung durchlaufen, die zuerst in den Status des Gesellen mündet und bei der Fortsetzung des Ausbildungsganges in den Sattlermeister. Die Ausbildung hierbei dreht sich rund um Leder und dessen Verarbeitung. Erst in der 2. Hälfte der Ausbildung zum Gesellen splittet sich diese auf in die allgemeine Sattlerei (u.a. Polstersatterei etc) und die Reitsportsattlerei.

 

Ziel der Ausbildung ist es, Lederexperte zu werden, also dieses sachkundig zu verarbeiten, sowie in der Spezialisierung den Bau von Sätteln, Geschirren und Trensen zu erlernen. Leider ist es bis heute so, dass die Themen Sattelpassformkriterien, Biomechanik, Anatomie Pferd und Mensch, sowie Reitlehre nicht auf dem Stundenplan stehen! In der Weiterbildung zum Meister gibt es einige Unterrichtseinheiten hierzu (5 UE nach Aussagen eines Sattlermeisters, mit dem ich neulich über dieses Thema sprach). Um als Sattler die Arbeit nach den Kriterien der Anatomie und Biomechanik ausrichten zu können, ist der Sattler auf sich gestellt und muss sich dieses Wissen selbst aneignen, bzw. von dem Meister seiner Ausbildungsstätte übergeben bekommen, so denn dieser dieses Wissen besitzt.

 

Der Saddle-Fitter

 

Dieses Berufsbild ist in Englang sehr verbreitet, während es bei uns noch kaum bekannt ist. Es gibt wie in einigen anderen Bereichen im Reitsport nur einen groben Rahmen, an welchem sich diese Ausbildung orientiert, doch meiner Meinung nach wird hier der Schritt in die richtige Richtung gegangen. Ziel dieses Berufsbildes ist es, Sättel anpassen zu können und zwar nach den Kriterien der Anatomie des Pferdes. Immer mehr gewinnen hier auch die Bereiche Biomechanik und Reitlehre an Bedeutung, sowie die Anatomie und Biomechanik des Menschen. Oft lernen Saddlefitter einfachere Lederarbeiten, wie der Tausch der Gurtstrupfen, wirkliche Lederarbeiten kann er i.d.R. nicht übernehmen.

 

 

In beiden Berufsständen ist es jedoch unbedingt erforderlich, seine Kenntnisse in Sachen Anatomie, Biomechanik, Reitlehre und Gangbildanalyse ständig zu vertiefen. Ein Sattel sollte zwingend immer am gerittenen Pferd geprüft werden. Doch um das Gesehene interpretieren zu können und Fehler gezielt beheben zu können, sind obige Kenntnisse dringend erforderlich.

 

Leider gibt es noch die Sparte der Sattelhändler, die weder Ausbildung noch Selbstbildung vorweisen können. Es gibt grandios gute Autodidakten - aber es gibt leider auch viele, die einfach mit Ahnungslosigkeit Geld machen möchten.

 

 

 

Über mich und meine Philosophie

Ich gehöre der Gruppe der Saddle-Fitter an, wobei ich eine spezifische, auf den WOW-Sattel ausgerichtete Saddle-Fitter-Ausbildung gemacht habe.

 

Dieser Ausbildung vorweg ging die Ausbildung zur Pferderückenvermesserin (PRV) nach dem System von Equiscan. Die Aufgabe eines PRV's liegt darin, die Passform von vorhandenen Sätteln aller Bauarten und Sparten beurteilen zu können, so wie einen Pferderücken für die Anfertigung eines Maßsattels mit Maß-Baum zu vermessen.

 

In beiden Ausbildungen spielen Anatomie und Biomechanik eine sehr große Rolle.

 

WOW-Saddles arbeitet darüber hinaus mit Gillian Higgins zusammen, die mit ihrem Programm "Horses inside out" und Publikationen wie "Anatomie verstehen, besser reiten" weltweit bekannt ist und dafür gesorgt hat, das allgemeine Interesse an Biomechanik und Anatomie zu wecken und die Zusammenhänge wunderbar sichtbar zu machen.

 

WOW-Saddles ist Mitglied der Society of Master Saddlers, eine Vereinigung, die sich sehr dem Ziel verschrieben hat, ein Siegel für fach- und pferdegerechte Sattlerei zu etablieren. Mitglieder dieser Vereinigung müssen ein sehr umfangreiches und tiefes Know How rund um das Thema Sattelpassform und alle Teilbereiche dazu (Anatomie etc) aufweisen können.

 

Ich bin mit Pferden aufgewachsen und habe eigene, die ich in Eigenregie halte. Ich bin mit Leib und Seele in das Besatteln eingestiegen. Ich suche gezielt nach weiterem Wissen, das mir hilft, die Komplexität aller Zusammenhänge immer noch genauer zu verstehen und in die Besattelungsarbeit einfließen lassen zu können. Meine größte Freude ist es zu sehen, wie Pferde mit großen Sattelproblemen ihre Zwangshandlungen ablegen können.

 

Manchmal empfangen mich Reiter als Sattelhändlerin - sie erwarten, dass ich ein paar Produkte aus meinem Transporter ziehe, sie gründlichst anpreise und sie dann mit der Souveränität eines Handelsvertreters an sie verscherbele. Wenn ich solchen Reitern begegne, denke ich immer, dass es kein gutes Aushängeschild der besattelnden Zunft ist, dass Reiter sich auf Verkäufer-Gequatsche eingerichtet haben.

 

Ich sehe mich als Lösungs-Scout. Ich kann mit dem WOW-Sattelsystem auf sehr viele Anforderungen und Körpertypen eingehen und solange an einer Lösung basteln, bis Pferd und Reiter sich beide gleichermaßen wohl fühlen damit.

 

Keine Kompromisse, keine Katze im Sack! Mein Arbeitsziel ist ein zufriedenes, entspanntes Pferd und ein Reiter, der das sichere Gefühl hat, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Um das zu erreichen, brauchen wir vor allem Zeit und einen offenen, intensiven Dialog. Wenn ein Reiter zu einer Satteldemo schlechte Erfahrungen oder Misstrauen mitbringt, erlebe ich häufig, dass sie sich sehr verspannen und sich das im Pferd widerspiegelt. Dann heißt es "tief durchatmen und einfach mal richtig loslassen!" Ihr Pferd wird ihnen dann schon sagen, ob es der richtige Sattel ist oder nicht! Stören Sie es einfach nicht bei der Entscheidungsfindung ;-)