Jeder kennt sie, die rote Schleife...

... am Schweif befestigt, dient sie als Warnung vor einem Pferd, das treten könnte, kommt ein anderes Pferd ihm zu nahe.

Liebe InteressentInnen und KundInnen, viele kennen das von mir bereits: ich komme in den Stall, eigentlich wegen einer Sattelprobe oder Sattelanpassung - und ein paar Minuten später wissen meine Kunden, was sie gar nicht wissen wollten: Hier sehe ich verspannte Muskeln, da Blockaden, dort eine Zügellahmheit, falsch gestellte Hufe, Rumpfträgerschwäche, und und und. 

Nicht jeder mag dies hören, nicht jeder mag ungefragt eine Analyse erhalten oder gar Rat erteilt bekommen. Wenn Sie dazu gehören, sagen Sie "rote Schleife" und ich halte mich im Zaume ;-).

 

Warum schaue ich mir das Pferd so genau an? Warum will ich alles über Vorerkrankungen von Pferd und Reiter wissen, obwohl ich kein Arzt bin? Warum behalte ich nicht für mich, was ich gefunden habe?

 

Vermutlich muss ich das hier gar nicht erklären, aber ich finde, ein kurzes Statement schafft Klarheit über meine Motivation:

 

- ich brauche genaue Kenntnisse über den Ist-Zustand, um das Pferd unter dem Sattel "lesen" (=interpretieren) zu können

- manche Schiefe von Pferd / Reiter ist nicht naturgegeben, sondern Folge von alten Verletzungen oder aktuellen gesundheitlichen Problemen. Es ist wichtig, das zu erkennen, um wirklich unterstützen zu können oder Grenzen zu erkennen.

- es nützt dem Reiter nichts, wenn ich für mich behalte, was ich am Pferd gefunden habe - ich erlebe, dass viele Reiter Dinge als normal nehmen oder als normal "verkauft" bekommen haben, die definitiv behandlungsbedürftig sind, um schwerwiegende Folgeprobleme zu vermeiden

- viele Probleme nehmen unmittelbar Einfluss auf die Sattelanpassung und auf das gezeigte Rittigkeitsbild des Pferdes.

 

Gerade letzter Punkt ist in unserer Kommunikation auch für Sie wichtig: wenn wir vorher über das reden, was ich sehe / finde, haben Sie mehr Sicherheit darüber, ob meine Analyse korrekt ist, falls das Pferd Abwehrreaktionen zeigt. Beispiel: hat es deutliche Schmerzen im hinteren Bereich der Sattellage, kann es sein, dass es mit baumlosen Varianten noch klar kommt, da diese Sättel oftmals nur recht punktuell in der Druckverteilung unter dem Reiter sind - ein Sattel mit Baum triggert aber die schmerzhafte Stelle, weil er eine größere Fläche zur Lastverteilung nutzt. Ein baumloser Sattel verwischt also die Symptome. Schmerzen gehören jedoch behandelt, nicht "umsattelt" (im Sinne von drum herum satteln). Wenn wir also vorher über die Schmerzpunkte gesprochen haben, wird schnell klar, dass wir es nicht mit dem Problem "Pferd mag den Sattel nicht" zu tun haben, sondern mit "das Problem ist nun sichtbar".

 

Durch meine oft in die Tiefe gehende, fachübergreifende Zusammenarbeit mit anderen ExpertInnen (Therapeuten & Tierärzte, Reitlehrer und Trainer, Hufexperten, Haltung und Fütterung) erhalte ich ständig neuen Input, den ich gerne weiter geben möchte. Für mich gilt: Wissen hilft uns, unsere Pferde zu schützen und optimal gesundzuerhalten. Und: kein Fachbereich sollte isoliert behandelt werden! Jeder Fachbereich bedarf eine ganzheitliche Denk- und Arbeitsweise. Eine laufende, übergreifende Weiterbildung und eine Weitergabe von Informationen ist daher dienlich, wenn es darum geht, echte, nachhaltige Lösungen zu schaffen.

 

Wer mich kennt, kennt meinen Einspruch "Kann man so machen, aber dann verwischt man Symptome und behandelt nicht die Ursache... keine gute Idee, denn das geht nicht auf ewig gut...". Und genau so arbeite ich auch: Ursachen angehen, Symptome heilen und nicht einfach nur unsichtbar machen wollen! Es kann Ihnen daher passieren, dass ich hässliche Worte benutze, wie "Rumpfträgerschwäche" (meine freundlicher klingende Version von "Trageerschöpfung") oder Sie direkt bitte, zeitnah einen Osteopathen zu konsultieren, bzw. sich nach einem Trainer mit Reha-Kompetenz umzusehen. Nehmen Sie das bitte nicht persönlich, sondern als Hinweis darauf, dass mir das Wohl ihres Pferdes und eine solide, tragfähige Lösung sehr viel wichtiger ist, als ein schnelles Geschäft mit Ihnen zu machen!

Wissenslücken sind mehr als normal= keine Schande, lassen sich oft einfach auffüllen, und auch das ist meine Intention: Wissen teilen! Und Wissen weiter anhäufen! Jedes Pferd bringt neues Wissen zu mir, daher freue ich mich auch über Ihren Input, Ihre Erfahrungen, Ihr Wissen!

 

Ist Ihnen das trotz aller wohlgemeinten Motivation zu "privat", bremsen Sie mich mit den Worten "rote Schleife". Danke!